Eine Operation oder eine Behandlung steht an und du weißt, dass du in`s Krankenhaus musst. Natürlich möchtest du in eine Fachklinik gehen, um von dem besten Arzt in Deutschland behandelt bzw. operiert zu werden. Doch kann man das einfach so machen? Hat man wirklich die freie Krankenhauswahl? Und was ist dabei zu beachten?

Leider stößt man bei Recherchen hierzu immer wieder auf unterschiedliche Aussagen. Denn die Krankenkassen lassen sich hier gerne eine Hintertüren offen und auch, wenn man im Sozialen Gesetzbuch nachschlägt ist man hinterher nicht wirklich schlauer. Schade eigentlich.. Aber wir werden das aufklären. 🙂

Warum es wichtig ist, das Krankenhaus frei zu wählen

Jeder der das „Glück“ hat, seinen stationären Aufenthalt planen zu können, stellt sich schnell die Frage in welches Krankenhaus er geht. Hat man dann das richtige Krankenhaus gefunden, dann kommt schnell die Frage auf, ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Denn Krankenhaus ist nicht gleich Krankenhaus. Es gibt kleine Krankenhäuser, die sich auf bestimmte Bereiche spezialisiert haben und daher ein guter Ansprechpartner sein können. Mit anderen Erkrankungen, die nicht in das Portfolio passen, sollte man da aber lieber nicht hin gehen. 😉 Denn gut ist meistens derjenige, der eine Behandlung oder Operation häufig durchführt und somit Erfahrungen hat. Mit seltenen Erkrankungen kann es sinnvoll sein in eine Klinik zu gehen die aktiv forscht, einen Lehrstuhl hat und auch an Studien teilnimmt. Das trifft z.B. auf die meisten Universitäts- Kliniken zu. Also Kliniken die auch ausbilden.

Nach langer Recherche hast du jetzt DIE Klinik gefunden. Aber du wohnst in Hamburg und stellst fest, dass der Spezialist deines Vertrauens in einer Klinik in München arbeitet. Und jetzt?

So kannst du dein Krankenhaus selber bestimmen

Im § 39 SGB V steht sehr eindeutig „Wählen Versicherte ohne zwingenden Grund ein anderes als ein in der ärztlichen Einweisung genanntes Krankenhaus, können ihnen die Mehrkosten ganz oder teilweise auferlegt werden“. Aha.. Jetzt ist man schlauer oder? 😉 Manchmal frage ich mich, warum Gesetze eigentlich immer mehr Unsicherheit schüren, als das sie Erklärungen bieten. Aber das ist ein anderes Thema.. 😀 Doch was heißt das jetzt konkret für dich? Musst du deinen Krankenhausaufenthalt selber bezahlen? Und was sind die Mehrkosten?

Das Soziale Gesetzbuch ist schon ziemlich alt, und ja die Paragraphen werden ab und an mal erneuert, aber die Mühlen mahlen langsam.. Daher muss ich hierzu etwas ausholen: Früher wurden die Kosten im Krankenhaus nach Krankenhaus individuellen Pflegesätzen abgerechnet. Die Kosten konnten sich daher je nach Klinik sehr stark unterscheiden. Für die Krankenkassen war es damals also ein sehr großer Unterschied, in welchem Krankenhaus die Behandlung durchgeführt wurde. Seit 2004 gibt es jedoch die so genannten einheitlichen „Fallpauschalen“, die DRG. Hierbei handelt es sich um ein einheitlichen Bewertungssystem bzw. Kostensystem.

Die Kosten unterscheiden sich seitdem nur noch ganz minimal zwischen den einzelnen Bundesländern und nicht mehr zwischen den einzelnen Krankenhäusern. Dabei handelt es sich nur noch um sehr geringe Abweichungen. Eine Blinddarm- Operation in Bayern kostet daher ungefähr das gleiche wie in Hamburg. Und den Krankenkassen ist es damit eigentlich egal geworden,für welches Krankenhaus du dich entscheidest. Es besteht sozusagen eine freie Krankenhauswahl.

Aber was hat es jetzt mit den Mehrkosten auf sich? 

Es ist dennoch theoretisch möglich, dass euch die Mehrkosten, bei der Wahl eines geringfügig teureren Krankenhauses, in Rechnung gestellt werden. Aber dies geschieht eigentlich nie. Die Zeitschrift „Soziale Sicherheit“ hat hierzu eine Umfrage bei den 14 größten gesetzlichen Krankenkassen durchgeführt. Hier wurde die Frage zu möglichen Mehrkosten von 11 der 14 angeschriebenen Kassen klar verneint. Und auch die drei Krankenkassen, die sich hierzu nicht klar äußerten, betonten, dass die Mehrkosten-Regelung im Krankenkassen-Alltag keine Rolle spielt.

Und wenn wir den Paragraphen noch einmal auseinander nehmen, dann steht da, dass die Mehrkosten nur entstehen, wenn der Versicherte ohne zwingenden Grund ein anderes als ein in der ärztlichen Einweisung genanntes Krankenhaus wählt. Also achtet unbedingt darauf, dass euer behandelnder Arzt eure Wunschklinik in der Einweisung angibt. Und schon sollte es keine Probleme mehr geben!

Es gibt jedoch noch einige weitere Faktoren, die ihr bei eurer Krankenhauswahl berücksichtigen solltet

Natürlich gibt es auch bei der Wahl des Krankenhauses Ausnahmen. Denn man kann sich nicht für jede Klinik in Deutschland entscheiden. Und es gibt auch noch weiter Dinge, die du beachten solltest.

Hierauf solltest du bei deiner Krankenhauswahl in jedem Fall achten:

  • § 108 zugelassenes Krankenhaus
    Es muss sich um ein zugelassenes Krankenhaus handeln, dass nach den Fallpauschalen abrechnet.

 

  • Keine Privatklinik
    Die Kosten von Privatkliniken werden nicht von den Krankenkassen übernommen. Solltest du dennoch in eine Privatklinik wollen, dann setz dich vorab mit deiner Krankenkasse in Verbindung. Evtl beteiligen sie sich aus Kulanz, in Höhe der Fallpauschalen.

 

  • Fahrkosten werden nur zur nächst gelegenen und geeigneten Klinik übernommen
    Das ist ein sehr wichtiger Punkt, gerade wenn man gehunfähig ist und vielleicht einen Krankentransport benötigt. Denn die Fahrt von meiner Haustür zum Uniklinikum in Hamburg Eppendorf ist natürlich günstiger als die Fahr nach München. Hier wird man in jedem Fall auf den Kosten sitzen bleiben. Sollte das Krankenhaus in München aber den einzigen Spezialisten für deine Erkrankung ansässig haben, dann hilft ein Gespräch mit der Krankenkasse. Denn dann ist das nächst geeigneten Krankenhaus eben München. Und die Fahrkosten wären zu erstatten.

 

  • Eine Einweisung des Arztes muss vorliegen
    Es gibt eine „Verordnung von Krankenhausbehandlung“. Diese stellt der Arzt aus und ist der Nachweis, dass die Behandlung medizinisch notwendig ist.

 

  • In der Einweisung sollte der Name der Klinik stehen
    Wie bereits oben erwähnt, solltest du dringend darauf achten, welche Klinik dein Arzt auf der Verordnung vermerkt. Normalerweise wird der Arzt auch nach deiner Wunschklinik fragen.

 

  • Ein kurzer Anruf bei der Krankenkasse kann in jedem Fall hilfreich sein, um Probleme  zu vermeiden. Ich würde daher immer empfehlen einfach mal kurz zum Telefonhörer oder Handy 😉 zu greifen und die Krankenkasse zu informieren. Dann gibt es auf jeden Fall keine bösen Überraschungen.

 

Jetzt weißt du, dass du dein Krankenhaus frei wählen kannst und das einige Krankenkassen mit einer Leistung werben, die dir sowieso zusteht. 😉 Aber was ist im Notfall? Kann man dem Rettungssanitätern eine Klinik vorgeben? Und was ist, wenn man zu dem Krankenhaus nach München will?

Krankenhauswahl im Notfall

Wenn der Rettungswagen kommt, dann muss es meistens recht schnell gehen. Für Wünsche ist da manchmal keine Zeit mehr. Dennoch versuchen die Rettungssanitäter nach Möglichkeit auch die  Wünsche der Patienten zu berücksichtigen. Doch bitte sei nicht enttäuscht, wenn diese nicht berücksichtigt werden können. Denn das könnte an folgenden Punkten liegen:

– Die Wunschklinik hat keine Notaufnahme (gerade kleinere Fachkliniken haben häufig keine)

– Deine Wunschklinik hat keine Betten mehr frei (die Rettungswagen werden hierüber informiert)

– Deine Wunschklinik ist für deinen Notfall nicht geeignet (mal angenommen du hast dir das Bein gebrochen, aber die Klinik hat keine Chirurgische bzw. Orthopädische Abteilung)

– Dein Gesundheitszustand lässt die Fahrt zu einer weiteren Klinik nicht zu (auch das kann leider passieren)

 

Aber fragen kostet nichts. 🙂  Solltest du aus Hamburg in die Klinik nach München wollen, um bei meinem Beispiel zu bleiben, dann werden die Rettungssanitäter den Transport vermutlich ablehnen. Denn häufig ist es ihnen gar nicht möglich eine so weite Strecke zu fahren, da die Rettungswagen woanders gebraucht werden. Sollte die Wunschklinik nicht ganz so weit weg sein und die Rettungssanitäter auch die Zeit dafür haben, dann kann es sein, dass du in deine Wunschklinik gebracht wirst. Die zusätzlich entstehenden Kosten werden dir jedoch in Rechnung gestellt. Und bei einem Krankentransport können das schnell mal über 1.000,00 EUR werden. Also sollte man sich das vorher gut überlegen, wenn man nachher nicht eine Rechnung bekommen will. 😉 In vielen Großstädten gibt es aber auch mehr als ein Krankenhaus. Aus diesen Kliniken kann man meistens ohne zusätzliche Fahrkosten frei wählen. Und manchmal hilft es auch zu wissen, wo man nicht hin will. 😉

Jetzt haben wir alle wichtigen Punkte geklärt. Du weißt jetzt, dass

….du die Klinik frei wählen kannst

….du dabei einige Dinge beachten musst

….auch im Notfall deine Wünsche berücksichtigt werden, wenn es geht

….es sinnvoll ist vorher Kontakt mit deiner Krankenkasse auf zu nehmen

Du möchtest weitere Tipps für deinen Krankenhausaufenthalt haben? Dann schau doch mal in meinen Artikel „7 wichtige Tipps im Krankenhaus“ rein.

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