In meinem letzten Artikel habe ich geschrieben, dass man trotz Krebserkrankung oder anderen Erkrankungen die gesetzliche Krankenversicherung wechseln kann. Denn im Gegensatz zu der privaten Krankenversicherung, muss dich die gesetzliche Krankenkasse auch annehmen, wenn du bereits krank bist. Ein Kassenwechsel ist daher jeder Zeit möglich. Wie du die Krankenkasse wechselst erfährt du in meinem vorherigen Artikel: Ist ein Krankenkassenwechsel möglich wenn man krank ist? In diesem Artikel erfährst du, was du alles bei einem Kassenwechsel beachten musst. Denn es kann durch den Kassenwechsel plötzlich zu einer Kürzung des Pflegegeldes kommen oder, dass dein Pflegebett plötzlich abgeholt wird. Daher habe ich für dich 7- Punkte zusammengetragen, die du bei einem Kassenwechsel beachten musst.

Warum kann es nicht mal einfach gehen?

Willkommen in der Welt der Bürokratie.. Leider stützt sich unser Gesundheitssystem auf eine Reihe von Gesetzen. Die Grundlage bildet das soziale Gesetzbuch. Die Krankenkassen sind verpflichtet sich an diese Gesetze zu halten. Neben einem Haufen Ärger, der dadurch entsteht sorgt es auch dafür, dass alle gesetzlich Versicherten gleich behandelt werden und auch das man ein Recht auf gewisse Leistungen hat. Ein Beispiel findest du hier: Diese Vorsorgeuntersuchungen übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung. Doch was genau musst du bei einem Kassenwechsel beachten?

 

7- Punkte die du bei einem Kassenwechsel beachten musst

  1. Punkt: Die Höhe der Zusatzbeiträge
    Der allgemeine Beitragssatz für 2018 liegt bei 14,6%. Die wenigstens Krankenkassen kommen mit diesem Betrag aus. Sie können dann einen so genannten Zusatzbeitrag erheben. Dieser Zusatzbeitrag ist individuell und kann stark abweichen. So bezahlt man zum Beispiel bei der HKK- Handelskrankenkasse einen Zusatzbeitrag von nur 0,59 Prozent, aber bei der teuersten Krankenkasse, der Securvita, ganze 1,7 Prozent mehr. Also ist der Zusatzbeitrag bei der Securvita fast 3- mal so hoch wie bei der HKK! Mal angenommen du verdienst 3000 EUR brutto, dann macht das im Jahr ein Unterschied von 400 EUR! (HKK 212,40 EUR, Securvita 612,00 EUR) Da lohnt sich auf jeden Fall ein Blick auf den Zusatzbeitrag.
  1. Punkt: Gibt es eine Filiale in deiner Nähe?
    Auch wenn wir in der Zeit des Internets sind und ein persönlicher Kontakt eher unwichtig zu sein scheint, ist es doch manchmal besser einen Ansprechpartner vor Ort zu haben. Dein zuständiger Sachbearbeiter kann dir im Notfall auch einfach mal schnell beim Ausfüllen eines Formulars helfen. Denn obwohl ich gelernte Sozialversicherungsfachangestellte bin, sind manche Anträge einfach unverständlich. Auch kann ein Sachbearbeiter dir weitere Tipps geben, welche Leistungen dir noch zustehen. Wäre schade, wenn die nächste Filiale dann 300km entfernt ist.
  1. Punkt: Verzögerung beim Krankengeld
    Die neue Krankenkasse wird zur Berechnung und Auszahlung des Krankengeldes alle Unterlagen (Arbeitgeberbescheinigung, Krankschreibung, usw.) benötigen, die du bereits bei deiner alten Krankenversicherung eingereicht hat. Hierdurch kann es zu Verzögerungen bei der Auszahlung kommen. Mein Tipp: Lass dir von deiner alten Krankenkasse alle Unterlagen für dein Krankengeldbezug geben. Diese kannst du dann bei deiner neuen Krankenversicherung einreichen. Lese auch: Alles was man über Krankengeld wissen muss  
  1. Punkt: Es kann zu einer Kürzung von Pflegeleistungen kommen
    Die neue Krankenkasse wird deinen Pflegegrad neu bestimmen. Eigentlich sollte dieser identisch sein, denn an dem Pflegaufwand ändern sich ja eigentlich nichts. Leider hat die Praxis jedoch gezeigt, dass es zu Unterschieden kommen kann. Dieser Unterschied kann aber auch positiv sein. So kann es sein, dass man vorher Pflegegrad I war und jetzt mit Pflegegrad II eingestuft wird. Oder man war vorher Pflegegrad III und wird jetzt nur noch in Pflegegrad II eingestuft. Leist ist auch das möglich. Mein Tipp: Setz dich rechtzeitig mit der neuen Krankenversicherung in Verbindung. Frag ob sie das bereits erstellte Gutachten vom MDK (Mediziner Dienst der Krankenversicherung) anerkennen, oder ob eine neues Gutachten erstellt wird. Wenn letzteres zutrifft, würde ich mir einen Krankenkassenwechsel gut überlegen.  
  1. Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel müssen zurück gegeben werden
    Es gab einen Fall, bei dem ein Rollstuhlfahrer nach einem Kassenwechsel mitgeteilt wurde, dass seine Rampe am Haus innerhalb einer Woche abgebaut wird. Leider ist das rechtens und die Krankenkasse hat die Rampe abgebaut. 😠 Rollstühle, Pflegebetten und andere Hilfsmittel werden meistens nur leihweise zur Verfügung gestellt. Bei einem Kassenwechsel werden die Sachen von der Krankenkasse zurückgefordert. Mein Tipp: Informiere die neue Krankenkasse rechtzeitig, welche Hilfsmittel du benötigst.  
  1. Punkt: Medikamente die Dauerhaft verordnet werden
    Nicht jede Krankenkasse übernimmt das gleiche Arzneimittel, wie deine vorherige Krankenkasse. Das hat verschieden Ursachen, wie zum Beispiel Verträge mit bestimmten Arzneimittelherstellern. Mein Tipp: Frag vorher bei der neuen Krankenkasse nach, ob sie auch die Kosten für dein Medikament übernimmt und ob du ggf. was dazu bezahlen musst. Denn auch hier können sich die Zuzahlungen bzw. die so genannten Mehrkosten unterscheiden.
  1. Punkt: Achte auf die „Mehrleistungen“ deiner Krankenkasse
    Manchmal nimmt man bei seiner Krankenkasse so genannte Mehrleistungen in Anspruch, ohne es zu wissen. Mehrleistungen sind Leistungen, die die Krankenkassen zur Verfügung stellen, obwohl sie nicht im Sozialen Gesetzbuch enthalten sind. Das kann zum Beispiel die Kostenübernahme für Naturheilkunde sein, für bestimmt Impfstoffe, oder auch für die Behandlung in einer bestimmten Privatklinik. Mein Tipp: Informiere dich über die Mehrleistung deiner jetzigen und deiner neu gewählten Krankenkasse. Meistens reicht hier ein Blick auf die Internetseite, da die Krankenkassen gerne damit werben. 😉

 

Mein Fazit: 

Ein Kassenwechsel geht schnell und einfach, sollte aber gut überlegt sein, wenn man bereits Krankengeld bezieht oder andere regelmäßige Leistungen von der Krankenkasse erhält. Wem das alles nicht abschreckt, sollte sich in jedem Fall vorher mit der neuen Krankenkasse in Verbindung setzen. Ein persönliches Gespräch (oder auch telefonisch) kann hier helfen, um alles nötige zu besprechen. Die neue Krankenkasse möchte dich als Kunden gewinnen (auch wenn du krank bist) und wird sich daher die größte Mühe geben.

Am besten lässt du dir mit der Kündigung Zeit. Alles ab 3 Monate ist meiner Meinung nach ein guter Zeitraum, um alles in die Wege leiten zu können.

Jetzt hast du einiges zum Thema Kassenwechsel gelesen. Mich würde interessieren, ob du jetzt noch einen Krankenkassenwechsel in Erwägung ziehst oder lieber bei deiner alten Krankenkasse bleibst? Oder hast du bereits gewechselt? Dann würde ich mich über deinen Erfahrungsbericht freuen. 

Hier kommst du zum 1. Teil meines Artikels:   Ist ein Krankenkassenwechsel möglich wenn man krank ist? In dem Artikel kannst du auch lesen, wie man die Krankenkasse wechselt und welche Fristen dabei eingehalten werden müssen.

 

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