Wenn auch du eigentlich zu jung für Krebs bist, dann solltest du diesen Artikel genauer lesen. Ich hatte ja bereits über HNPCC berichtet, ein Gendefekt der zu Krebs führt. In diesem Artikel geht es um BRCA. Ein Gendefekt, der für 5% der Brustkrebsfälle verantwortlich ist!

Früher galt Krebs überwiegend als Krankheit im Alter. Doch man hört immer häufiger auch von jungen Menschen, die mit 40 oder in noch jüngeren Jahren an Krebs erkranken. Die typischen Umweltfaktoren wie eine ungesunde Ernährung, Rauchen, Alkohol, Stress, usw. können hier kaum die Gründe für die Krebserkrankung sein, denn diese wirken sich erst im Alter aus. Die Ursache muss daher in den Genen liegen. Die Forschung hat hier in den letzten große Sprünge gemacht. Vor allem wenn man bedenkt, dass erst  2003 das vollständige menschliche Genom als entschlüsselt galt. Die Geschichte der Genforschung ist also noch recht jung, auch wenn sie bereits 1865 mit der Kreuzung von Erbsen und Bohnen (Gregor Mendel) begonnen hat. Ich glaube die Erbsen und Bohnen hatten wir alle mal in der Schule. 😉

Was hat die Genetik jetzt mit BRCA zu tun?

Man hat festgestellt, dass es in einigen Familien gewisse Auffälligkeiten gab. Denn in einigen Familien erkranken mehr Menschen an Krebs, als in anderen. Und man stellte auch fest, dass sich gewisse Krebserkrankungen wiederholen. Das Großeltern scheinbar Brustkrebs an Kinder und ihre Enkelkinder weiter geben. Diese Beobachtungen veranlassten Genetiker hier einmal genauer nach zu schauen. Neben BRCA1 und BRCA2 sind heute die Gendefekte HNPCC und FAP (familiäre adenomatöse Polyposis) näher bekannt. Bei FAP bildet der Darm unzählige Polypen, die sich unbehandelt zu Krebs entwickeln. Hierzu werde ich in einem anderen Artikel genauer berichten.
Die Genetik steckt jedoch noch etwas in den „Kinderschuhen“. Und erst vor kurzem hat man herausgefunden, dass auch eine Mutation der Gene RAD51C und PALB2 (schöne Namen oder? 😉 ) zu Brustkrebs führen können. Aber diese Mutationen kommen wesentlich seltener vor, als BRCA und HNPCC.

Was ist BRCA und wofür steht das?

BRCA steht für BReas CAncer was übersetzt ganz einfach Brustkrebs heißt. Es handelt sich hierbei um eine Mutation der Gene BRCA1 und BRCA1. Man bezeichnet diese Erkrankung auch als familiäres Mamma- und Ovarialkarzinom. Wie auch bei HNPCC ist die Reparatur von geschädigter DNA teilweise gestört. Diese Schäden entstehen durch äußere Einflüsse, wie z.B. Strahlenbelastungen, aber auch bei der normalen Zellteilung kommt es hin und wieder zu einer Schädigung der DNA. Normalerweise zerstört der Körper die geschädigten Zellen von selber, so dass neue gesunde Zellen gebildet werden können. Bei BRCA und HNPCC ist dieses Reparatursystem jedoch gestört und kommt gehäufter zu einer Entartung der Zellen und somit zu Krebs.

Wie häufig ist BRCA?

5% aller Brustkrebsfälle und 5- 10% der Eierstockkrebs- Fälle sind Folge einer Mutation im BRCA1 oder BRCA2- Gen. So selten ist dieser Gendefekt daher nicht. Man geht aktuell davon aus, dass 1 von 400 Menschen Anlageträger für diesen Gendefekt ist. Was jedoch nicht heißt, dass auch Krebsfälle auftreten. Denn es gibt Menschen, bei denen eine Mutation vorliegt, die jedoch nie an Krebs erkranken. Woran das liegt ist noch relativ unbekannt. Was jedoch daraus schließen lässt, dass auch äußere Einflüsse eine Rolle spielen.

Woher weiß ich, dass ich BRCA habe?

Hierüber kann nur eine genetische Untersuchung Auskunft geben. Hierfür wird dir Blut abgenommen, das dann von einem Humangenetiker untersucht wird. Aufgrund der umfangreichen Untersuchung der Gene dauert die Untersuchung ein paar Monate. Ich habe knapp 6 Monate auf meine Ergebnisse gewartet. Auch das Tumorgewebe wird hierbei untersucht und kann Aufschluss darüber geben, ob ein Gendefekt der Auslöser der Krebserkrankung war.

Es gibt bestimmte Kriterien, bei denen man davon ausgeht, dass BRCA vorliegen kann. Die Kriterien werden zusammen mit einem Humangenetiker bei der Erstellung einer so genannten „Familienanamnese“ überprüft. Hierbei wird eine Art Stammbaum erstellt und welcher Verwandte Krebs hatte und um welche Art Krebs es sich handelte. Manchmal ist es jedoch schwierig einen genauen Stammbaum zu erstellen, da die Eltern oder Großeltern vielleicht nicht mehr leben und man zu jung war um sich an alles zu erinnern. In solchen Fällen wird der Humangenetiker alles genau mit dir besprechen und die Untersuchung veranlassen, wenn nicht geklärt werden kann, ob die Kriterien vorliegen.

Das hier sind die Kriterien, die bei der Familienanamnese zu Grunde gelegt werden:

  • mind. drei Frauen mit Brustkrebs, unabhängig vom Alter
  • mind. zwei Frauen mit Brustkrebs, davon eine jünger als 50 Jahre
  • mind. eine Frau mit Brustkrebs vor dem 36. Geburtstag
  • mind. eine Frau jünger als 50 Jahre mit beidseitigem Brustkrebs
  • mind. eine Frau mit Brustkrebs und eine Frau mit Eierstockkrebs oder eine Frau mit Brust- und Eierstockkrebs
  • mind. zwei Frauen mit Eierstockkrebs
  • ein Mann mit Brustkrebs sowie zusätzlich eine weitere Person mit Brust- oder Eierstockkrebs

SOLLTE EINER DIESER KRITERIEN BEI DIR VORLIEGEN, DANN SPRECH UNBEDINGT MIT DEINEM ARZT UND VERANLASSE DIE GENETISCHE UNTERSUCHUNG! DENN EVENtUELL HAST DU BRCA.

Wie hoch ist das Risiko mit BRCA an Krebs zu erkranken?

Hierfür habe ich euch mal eine Tabelle des Medizinisch Genetischen Zentrums beigefügt. Hier sieht man, dass auch Männer ein erhöhtes Krebsrisiko haben. Dies betrifft die Brust, die Prostata und die Bauchspeicheldrüse (Pankreas).

 

Karzinom Risiko Allgemeinbevölkerung BRCA1 BRCA2
Brust Frau 12% 50-80% 40-70%
Ovarien 1-2% 24-40% 11-18%
Brust Mann 0,1% 1-2% 5-10%
Prostata 15% < 30% >39%
Pankreas 0,5% 1-3% 2-7%

Quelle: https://www.mgz-muenchen.de

Wie kann man dem Krebsrisiko vorbeugen?

  • Das aller wichtigste ist, dass du regelmäßig zu deinen Vorsorgeuntersuchungen gehst. Das ist wirklich das ALLER WICHTIGSTE. Im Gegensatz zu einem normalen Krebspatient giltst du mit BRCA nie als geheilt und wirst dein ganzes Leben an den engmaschigen Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen. Am Anfang hatte ich noch bei jeder Untersuchung einfach nur Angst. Nicht vor den Untersuchungen, sondern das sie wieder etwas finden. Mittlerweile bin ich über 11 Jahre krebsfrei! 🙂 Ich gebe zu, ich habe immer noch vor jeder Untersuchung Angst und mache mir Gedanken, aber es ist nicht mehr halb so schlimm wie früher.

 

  • Mach alles um deinen Körper zusätzlich zu unterstützen. Vermeide also zusätzliche äußere Faktoren wie Alkohol, Rauchen, Stress, usw. Versuch dein Krebsrisiko zu senken und sorge dafür, dass dein Immunsystem fit bleibt. Hierbei hilft eine gesunde Ernährung und regelmäßig Sport. Laut meiner Genetikerin sollte ich 3x die Woche Sport machen. Mach ich dann, wenn ich in Rente bin und ganz viel Zeit habe. 😉

 

  • Der wohl bekannteste Fall von BRCA ist Angelina Jolie. Sie verkündete damals, dass sie sich aufgrund des Gendefekts die Brüste abnehmen ließ. Den Artikel hierzu könnt ihr hier lesen: Angelina Jolie.
    Diese Maßnahme erscheint sehr drastisch zu sein und das ist sie auch. Angelina hatte damals ihre Mutter an Brustkrebs verloren, ist selber Anlageträgerin für BRCA und wollte durch die Operation ihr Brustkrebsrisiko senken. Was sie damit auch geschafft hat. Grundsätzlich ist es auch möglich die Eierstöcke entfernen zu lassen, um das Krebsrisiko weiter zu senken. Ein solcher Schritt ist jedoch erst nach vollendeter Familienplanung möglich. Und ob eine solche radikale Maßnahme für dich in Frage kommt solltest du mit deinem Arzt abwägen. Die Krankenkassen übernehmen mittlerweile die Kosten für die Entfernung der Brüste und der Eierstöcke. Bitte bedenke auch, dass du dein Risiko damit zwar sinkst, aber auch eine Operation Risiken birgt. Die Entfernung der Eierstöcke führt z.B. zu dem vorzeitigem Einsetzen der Wechseljahre. Du solltest dir für diese Überlegung in jedem Fall Zeit lassen und Pro und Contra zusammen mit deinem Arzt besprechen.

 

Übernimmt die Krankenkasse die genetische Untersuchung?

Ja die Kosten werden getragen, wenn die oben genannten Kriterien vorliegen. Schaut auch hier mal in meinen Artikel „wird die genetische Untersuchung von der Krankenkasse übernommen?

Ist BRCA vererbbar?

Wie du ja jetzt weißt, handelt es sich um eine genetische Erkrankung. Daher ist sie leider auch vererbbar. Die Wahrscheinlichkeit den Gendefekt an deine Kinder weiter zu geben liegt leider bei 50%. Je nachdem welche Gene „durch kommen“.

Wirst du früher sterben?

Nein das wirst du nicht. Menschen mit BRCA haben keine schlechtere Prognose. Das liegt an den engmaschigen Vorsorgeuntersuchungen (WICHTIG), wodurch Tumore rechtzeitig und in einem sehr frühen Stadium erkannt werden. Teilweise spricht genetisch bedingter Brustkrebs sogar besser auf eine Chemotherapie an, als die nicht erbliche Variante. Wenigstens mal etwas Gutes. J

Kann man mit BRCA noch glücklich werden und normal weiter leben?

Ich habe kein BRCA aber HNPCC. Ob das nun schlimmer ist oder besser, müsst ihr entscheiden. Aber ich weiß wie es ist mit der Diagnose „Gendefekt“ zu leben und ich weiß auch wie man sich in dem Moment fühlt, wo man von der Diagnose erfährt. Man ist eigentlich froh die ganze Krebsbehandlung hinter sich zu haben und bekommt jetzt die Nachricht, dass man es eigentlich nie wirklich überstanden hat. Am liebsten will man sich in eine Ecke setzen und weinen. Und genau das solltest du auch tun. Denn du hast gerade eine sehr schlimme Nachricht bekommen und wirst viel zu verarbeiten haben. Da ist es dein gutes Recht auch einfach mal zu weinen. Wichtig ist nur, dass du danach dein Leben weiter lebst. Vielleicht sogar intensiver als vorher? Ich genieße seitdem jeden Tag viel mehr und habe wieder einen Sinn für die kleinen Wunder des Lebens. J Und obwohl ich dachte, dass ich vermutlich niemals 30 Jahre alt werde, bin ich bis heute von einem Rückfall verschont geblieben. Ich kann dir nur raten, dein Leben weiterhin zu leben und vielleicht sogar noch intensiver zu leben. Denn das Leben geht zum Glück weiter und man sollte immer das Beste daraus machen. Ich weiß, schöner Kalenderspruch, aber so sehe ich es wirklich. 🙂

 

Hast du Fragen oder Anregungen zu diesem Artikel? Dann freue ich mich über einen Kommentar von dir.

 

 

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