Beim Bloggen schätze ich am meisten den Kontakt zu anderen Betroffenen und zu anderen Krebsbloggern. Jeder hat seine ganz eigene Geschichte zu erzählen und jedem treibt eine ganz andere Motivation an. Einige Blogger wollen was bewirken, andere möchten ihren Schmerz teilen und andere an ihrer Geschichte teilhaben lassen. Ich finde, dass jeder dieser Blogs seinen eigenen Wert hat.

Warum gerade ein Interview mit dem Krebs- Blogger Michael?

Ich selber verfolge einige dieser Geschichten und habe zumindest online auch persönlichen Kontakt zu anderen Bloggern. So bin ich durch eine Facebook- Gruppe auf den Blog von Michael gestoßen. Mir ist sofort aufgefallen, dass auch er sich nicht unterkriegen lässt und seine positive Einstellung und sein Wissen weitergeben möchte. Wir haben uns daher gedacht, dass es für unsere Leser bestimmt ganz spannend ist, wenn wir uns gegenseitig Interviewen. Auf der Seite von Michael findet ihr auch meine Antworten und erfahrt, was mich antreibt diesen Blog zu führen, was sich durch die Erkrankung in meinem Leben verändert hat und wie ich mit dem Thema Tod umgehe. Aber zuerst möchte ich euch Michael vorstellen.

Wie ihr wisst, ist das hier das erste Interview auf meiner Seite. Ich würde mich daher über einen kurzen Kommentar freuen, ob euch das Interview gefallen hat und ob ihr ab und zu mal wieder ein Interview lesen wollt. 🙂

 

Interview mit Michael Meier von „Mein Leben mit Krebs- die Uhr tickt“

 

Für die Leute, die dich nicht kennen, stell dich doch einfach mal kurz vor. Wer bist du und was für eine Art Krebs hast du?

Michael:
Mein Name ist Michael, 35 Jahre alt, bin verheiratet und wohne in Neumarkt – eine Kleinstadt zwischen Nürnberg und Regensburg. Im Herbst 2016 wurde bei mir ein Nasopharynxkarzinom diagnostiziert. Auf gut deutsch ein Krebs im Bereich Hals-Nasen-Rachen. Operativ war nichts zu machen – es folgte eine Radio-/Chemotherapie.

 

Neben dem ganzen Thema Krebs – was machst du beruflich und wie verbringst du deine Freizeit?

Michael:
Ich arbeite bei einem mittelständischen Unternehmen im Marketing – momentan noch auf Wiedereingliederung/ Teilzeit. Meine Hobbies sind echt vielschichtig. Ich unternehme gerne was mit unserem Hund, koche und wandere gern, gehe gern auf Konzerte und Reisen, bin mit Herzblut Fan des FC St. Pauli und neuerdings habe ich die Fotografie für mich entdeckt. Soweit es der Gesundheitszustand zulässt, mache ich auch aktiv Sport. Und ja, natürlich nimmt auch der Blog einen Teil der Freizeit in Anspruch.

 

Warum machst du eigentlich einen Blog über Krebs, warum willst du andere Menschen an deiner Geschichte Anteil haben lassen?

Michael:
Da gibt es mehrere Gründe. Erst mal ist es für mich eine Art der Verarbeitung des Ganzen und auch des Nicht-Vergessens – es ist eben ein Teil meiner Geschichte, meines Lebens. Dann finde ich es wichtig, seine Erfahrungen auch mit anderen Krebspatienten zu teilen – manchen auch damit zu helfen und Mut zu machen. Während meiner schlimmsten Zeit hätte ich gerne einen Betroffenen gehabt, der mir ein bisschen unter die Arme greift und Mut zuspricht. Ist halt doch ein gehöriger Unterschied, ob du von Ärzten einfach die Fakten auf den Tisch geknallt bekommst oder, ob dir ein Leidensgenosse von seinen eigenen Erfahrungen erzählt. Und natürlich macht es auch einfach Spaß!

 

Hast du im Alltag durch die Erkrankung mit Problemen oder auch Vorurteilen zu kämpfen? Bist du irgendwie eingeschränkt?

Michael:
Durchaus, leider. Die extreme Mundtrockenheit bereitet unter anderem große Probleme. Dazu kommt immer noch die Fatigue und auch körperlich stoße ich immer wieder an meine Grenzen.
Was mich auch extrem stört ist, dass man zum Teil von anderen Menschen (auch Ärzten) nicht immer ernst genommen wird. Man sieht mir äußerlich erst mal nicht an, dass ich krank bin bzw. war. Da bekommt man dann auch mal so Sprüche zu hören wie „der schaut doch gesund aus, dem fehlt doch nichts“.

 

Zwangsläufig wird man mit der Diagnose Krebs auch mit dem Thema Tod und Sterben konfrontiert. Wie gehst du damit um – hast du konkrete Ängste?

Michael:
Auch wenn das manche Menschen vielleicht nicht verstehen werden, aber Angst vor dem Tod habe ich nicht (mehr). Ich wurde während der Therapie schon damit konfrontiert und habe dann sämtliche Dinge nach meinem Willen geregelt. In meinen Augen kann der Tod in bestimmten Situationen durchaus auch eine Befreiung und Erlösung sein. Selbstbestimmtes Sterben in Würde ist für mich da ein großes Thema. Ich sehe allerdings nicht ein, warum ich mit 35 Jahren jetzt schon ins Gras beißen sollte!  Konkrete Ängste habe ich eher vor so banalen Dingen wie Existenzängsten, materiellen Dingen und vor allem davor, irgendwann als nichtselbständiger Pflegefall zu enden. Gut ein halbes Jahr war ich komplett hilflos und auf andere (vor allem meine Frau) angewiesen. Diese Situation möchte ich nicht nochmal erleben und macht mir tatsächlich Angst.

 

Wenn man unsere Blogbeiträge verfolgt fällt auf, dass wir beide wohl ziemlich ähnlich ticken. Haben sich in deinem Leben mit der Krankheit die Prioritäten verschoben?

Michael:
Das kann ich mit einem deutlichen JA beantworten – sehr sogar!
Geld ist nicht alles, das Leben kann sehr schnell zu Ende sein und dauert nicht ewig – diese Dinge habe ich auf jeden Fall gelernt. Ich muss auch keine 60-Stunden-Wochen mehr schieben und auf Teufel komm raus Karriere machen. Es gibt einen Satz aus der Fernsehserie „Stromberg“ den ich mir echt zu Herzen nehme: „Wenn du im Sterbebett liegst wirst du niemals sagen – ach wäre ich doch öfters ins Büro gegangen“.
Das Gehalt muss reichen um das Haus abzubezahlen, den Kühlschrank zu füllen und die Hobbies / Freizeit zu finanzieren. Wenn dann noch zweimal im Jahr ein schöner Urlaub hängen bleibt bin ich eigentlich zufrieden. Ich brauch auch keinen fetten BMW – ein Kia tut’s auch
Auch Menschen die mir „nicht gut tun“ versuche ich mittlerweile wirklich links liegen zu lassen. Früher hätte ich mich viel mehr auf teilweise sinnlose Diskussionen eingelassen und selbst nur schlechte Laune bekommen. Klappt aber natürlich leider auch nicht immer.

 

Was hast du in Bezug auf deinen Blog für Pläne – wie geht es die nächste Zeit weiter bei dir?

Michael:
Nachdem unser erstes Interview ja jetzt in reiner Textform erschienen ist, möchte ich ab der zweiten Folge einen echten Podcast und evtl. auch YouTube-Videos erstellen. Ich bin ein großer Freund von Talk-Formaten wie „Die blaue Stunde“ mit Serdar Somuncu oder „Mensch, Otto!“ auf Bayern 3. So etwas in dieser Richtung schwebt mir auch vor – aber natürlich bleibt als Thema der „Krebs“ im Mittelpunkt.

Ende 🙂

Ich hoffe euch hat das Interview gefallen? Ich würde mich auf jeden Fall über ein kurzes Feedback freuen. Wenn ihr Michael`s Blog weiter verfolgen wollt, dann könnt ihr das einmal über seine Internetseite machen oder auch ganz bequem über Facebook. 

Und hier geht es zu meinem Interview. Meine Facebook Seite findet ihr übrigens hier.

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