Ich möchte mich heute mal einem Thema widmen, dass mir sehr wichtig ist. Es geht um das Thema „stark sein“. Immer wieder begegnen mir Krebskranke die sagen, dass Sie nicht mehr stark sein können. Oder, dass sie für ihre Kinder stark kein müssen. Doch ich möchte dir mit diesem Artikel sagen, nein du musst nicht immer stark sein! Ich werde dir auch sagen warum du nicht immer stark sein musst und warum es wichtig ist, auch mal „schwach“ zu sein.

Dieser Artikel ist für alle starken Menschen

Krebserkrankungen - Digitales Kongresspaket
Anzeige

Ich selber zähle mich auch dazu. Ich bin immer stark. Für mich selbst, für Andere und auch mein Umfeld sieht in mir immer nur die starke Frau. Aber auch ich brauche eine Schulter zum Anlehnen. In der Politik sagt man häufig auch „hinter einem starken Mann, steckt auch eine starke Frau“. Und genau so sollte es sein. Doch wer immer nur stark ist, wird meistens keine Unterstützung erfahren. Warum ist das so?

Du machst auf Andere den Eindruck als würdest du sehr gut mit deiner Situation zurechtkommen. Jeder bewundert wie gut es dir, trotz der Erkrankung, geht. Jeder starke Mensch hat mindestens schon einmal diesen Satz gehört „ich finde es toll, wir du mit deiner Krebserkrankung umgehst“. Einerseits freut man sich über diesen Satz. Aber auf der anderen Seiten kostet es dich unwahrscheinlich viel Kraft stark zu sein.

Sätze, die ein starker Mensch häufiger benutzt

Ich denke einen dieser Sätze hast du garantiert selber schon einmal benutzt, um dein Umfeld zu beruhigen:

  • Danke,  dass du fragst. Mir geht es wirklich gut… (aber eigentlich ist es ganz anders)
  • Nein ich brauche keine Hilfe mit dem Haushalt/ mit den Kindern/ beim Einkaufen.. (doch eigentlich wäre es genau das was du wirklich brauchst)
  • Mir geht es schon viel besser.. (nein geht es dir nicht)
  • Mach dir bitte keine Mühe wegen mir, ich komme schon zurecht..
  • Du hast doch selber immer so viel zu tun/ um die Ohren..

Ich glaube diese und ähnliche Floskeln hast du bestimmt schon benutzt, um dein Umfeld zu beruhigen oder? Doch warum geben wir vor immer die oder der Starke zu sein? Es gibt Menschen die nehmen, ohne mit der Wimper zu zucken, jede Hilfe an. Und es gibt uns. Die Menschen, die immer stark sein wollen und niemandem zur Last fallen wollen. Die immer stark für Andere sind und bei dem sie eine starke Schulter zum Anlehnen finden. Meistens haben starke Menschen auch einen großen Freundes, bzw. Bekanntenkreis. Denn auf starken Schultern ist viel Platz. 😉

Warum wollen wir immer stark sein?

Da stellt sich doch die Frage, warum wir immer das Gefühl haben stark sein zu müssen. Warum wir nicht einfach mal Hilfe annehmen können..  Was wollen starke Menschen damit bezwecken? Sich selber und andere belügen? Nein, so ist es auf keinen Fall! Es ist eher so, dass wir andere Menschen nicht mit unseren Sorgen belasten wollen. Es gibt jedoch noch weitere Gründe, die häufigsten findest du hier:

  • Andere nicht belasten
    Ich denke, dass ist für viele starke Menschen derHauptgrund. Wir wissen um die Sorgen unserer Partner, Freunde und der Familie. Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen und wir tragen eben unser Päckchen. Aber damit möchten wir nach Möglichkeit niemanden belasten.
  • Man will nicht als schwach gelten
    In unserer heutigen Leistungsgesellschaft scheint es keinen Platz mehr für Schwäche zu geben. Wer schwach ist verliert. Sowas lernt man bereits in der Schule und versucht daher gerade im Erwachsenenleben stark zu sein.
  • Anderen nicht so viel Zeit kosten
    Zeit ist kostbar und aus diesem Grund wollen wir nicht, dass andere ihre Zeit für uns verschwenden. Das klingt jetzt sehr drastisch. Aber eigentlich denken wir das unterbewusst.  
  • Du warst es schon dein ganzen Leben
    Du hast das Gefühl, dass Stark sein irgendwie ein Teil deiner Persönlichkeit ist. Stark sein gehört zu deinem Leben dazu und du warst es eben schon immer.

  • Die Kinder sollen nicht sehen wie sehr mir die Krebserkrankung zusetzt
    Du möchtest für deine Kinder weiterhin der Fels in der Brandung sein. Außerdem möchtest du nicht, dass deine Kinder wirklich sehen wie schlecht es dir geht. Meistens bist du bei deinen Kindern viel fröhlicher, als du dich eigentlich fühlst.
  • Es gibt dir ein Gefühl von Kontrolle
    Mir gibt stark sein auch ein Gefühl von Kontrolle. Ich habe manchmal das Gefühl, dass alles zusammen bricht, wenn ich mir einen schwachen Moment gönne. Das ich aus dem Loch dann nicht mehr raus komme. Stark sein gibt mir das Gefühl, trotz allem, die Kontrolle zu haben. Die Erkrankung hat dann keine Macht über mich!

Doch du musst nicht immer stark sein!

Niemand kann auf Dauer immer stark sein. Und wenn du bis hierher gelesen hast, dann weißt auch du, dass stark sein sehr viel Kraft kostet. Und diese Kraft brauchst du eigentlich um gegen deine Krebserkrankung zu kämpfen. Jetzt ist der Moment, wo auch du mal schwach sein darfst. Lass dich von deiner Familie und deinen Freunden unterstützen.

Jetzt denkst du bestimmt wieder „aber ich will doch niemanden zur Last fallen“. Aber auch dieses Argument kann ich entkräften. Denn dein Umfeld macht sich mehr Sorgen um dich als du denkst. Und eigentlich suchen sie nur eine Möglichkeit dir endlich mal helfen zu können. Denn sie kennen dich als diejenige/denjenigen, der nie Hilfe zulässt. Aber sie wollen dir beistehen und dich in deiner schlimmsten Zeit unterstützen. Nimm diese Hilfe an! Nicht nur für dich, auch für die Anderen. Gib ihnen die Möglichkeit auch mal etwas zurück zu geben.

Anzeige: Dieses Buch ist kostenlos

Schwach sein als Gefühl der Stärke

Lass auch Trauer zu. Denn nur so kannst du anfangen das alles zu verarbeiten. Wenn du immer stark sein willst, dann musst du die Erkrankung auch vor dir selber verdrängen und das hält auf Dauer niemand aus. Also nimm dir Zeit für deine Trauer. Du hast das Recht auch mal zu sagen, dass gerade alles scheiße ist! Und du hast auch das Recht dich einfach mal selbst zu bemitleiden. Nimm dir dafür Zeit. Du wirst merken, dass dir ein Moment der Schwäche viel mehr Stärke geben wird. Denn einmal so richtig los weinen lässt alles raus..

Ich möchte auch noch einmal auf die Kinder eingehen. Ich habe zwar selber keine, aber andere Krebskranke haben mir erzählt, wie toll die Kinder damit umgegangen sind. Eine sagte mir, dass ihr die Kinder jetzt noch viel mehr Kraft geben. Ihre Tochter sagte „Mama weine ruhig, jetzt tröste ich dich“. Eure Kinder sind stärker als ihr denkt. 🙂

Mein Fazit:

  • Nur wer Schwäche zulässt wird auch Hilfe erfahren
  • Nur wer mal schwach ist, kann auf Dauer wirklich stark sein
  • Deine Freunde werden sich freuen, dir etwas zurück zu geben
  • Kinder sind stärker als du denkst

Gehörst du auch zu den starken Menschen? Wirst du nach diesem Artikel etwas ändern? Fällt es dir tief im inneren eigentlich schwer immer der/die Starke zu sein?

Anzeige

Weitere Artikel

Krankheitskosten von der Steuer absetzen- Geht das... Das alte Jahr ist zu Ende und es ist Zeit für die Steuerklärung. Eine mühsame Angelegenheit, vor der ich mich gerne etwas länger drücke. 😉 Aber wen...
3 positive Seiten von Krebs Vermutlich denkst du gerade "jetzt ist sie verrückt geworden". Aber, wenn man wirklich mal darüber nachdenkt dann gibt es auch ein paar positive Seit...
Die Geschichte meiner Erkrankung 1.Teil Ich fühlte mich schon über Monate sehr müde und war kaputt, egal wie viel ich geschlafen habe. Immer war ich total müde.. Die Diagnose war ein extrem...
Werden genetische Untersuchungen von der Krankenka... Mittlerweile weiß man, dass viele Erkrankungen eine genetische Ursache haben können. Im Bereich der Krebstherapie sind die häufigsten und bekanntesten...
Close