Ich denke fast jeder kennt das Problem. Man geht zum Arzt schildert sein Problem und man fühlt sich überhaupt nicht ernst genommen. Oder noch schlimmer, du erzählst von deiner Erkrankung und der Arzt weiß noch nicht einmal was du hast. Das passiert mir mit HNPCC leider immer noch viel zu häufig. Eigentlich sollte doch jeder Arzt schon einmal von genetischem Krebs gehört haben und mittlerweile weiß man, dass jede 10. Darmkrebserkrankung auf HNPCC zurück zu führen ist.
Da stelle ich mir doch manchmal die Frage, ob Ärzte eigentlich überhaupt regelmäßig zu Fortbildungen gehen oder entsprechende Fachliteratur lesen. Einige Ärzte scheinen ihr Studium vor Urzeiten  gemacht zu haben, aber sich dann nie wieder mit der Thematik auseinander gesetzt zu haben.

Ein anderes Mal bist du bei deinem Arzt, bei dem du dich bisher immer gut aufgehoben gefühlt hast. Du erzählst von einer neuen Krebstherapie, von der du im Internet gelesen hast oder möchtest deine Behandlung mit Naturheilkunde unterstützen oder auch mit Nahrungsergänzungsmitteln. Wenn du dich getraut hast, dass bei dem Arzt an zu sprechen ja dann begibst du dich auf sehr dünnes Eis. 😉 Meiner Erfahrung nach mögen Ärzte gewisse Wörter gar nicht gerne hören, wie z.B. Internet, Naturheilkunde, Heilpraktiker, neue Therapie und Google (das aller schlimmste!). Diese Wörter scheinen manchmal wie ein rotes Tuch zu sein, habt ihr es schon einmal ausprobiert? Wenn nicht, dann versucht das einmal und ich versichere euch, ihr bringt auch euren Arzt auf die Palme. ;-D
Doch wo sind sie die guten Ärzte?

Das Internet, der größte Feind und Konkurrent des Arztes

Quelle: https://pixabay.com

Wobei ich schon verstehen kann, dass einige Ärzte das Wort „Internet“ nicht mehr hören können. Ich glaube jeder von uns hat schon einmal ein Symptom recherchiert um raus zu kriegen was er denn eigentlich hat. Aber sein wir mal ehrlich, warum machen wir das? Meistens weil wir uns bei dem Arzt nicht ernst genommen oder nicht gut genug beraten fühlen. Oder auch weil der nächste Facharzttermin Monate auf sich warten lässt.

Aber sind denn nicht alle Ärzte so?

Nein sind sie nicht. Denn es gibt sie, die Ausnahmen, die guten Ärzte. Ich hatte mal so einen Arzt. Ihm war der Patient wichtiger als das Geld, ein Arzt der zu gehört hat und immer gute Tipps gegeben hat. Ein Arzt der von meiner Diagnose hörte und sich erstmal ausführlich darüber schlau gelesen hat. Ein Arzt der mir sogar vorschlug zusätzlich mit Vitaminen meine Genesung zu unterstützen. Er gab mir sogar regelmäßig „unverkäufliche Muster“ mit, damit ich nichts bezahlen musste. Also wirklich ein Arzt zum wohl fühlen, falls man sowas sagen kann.
Als ich damals im Krankenhaus war, hatte sich das Krankenhaus von meinem Hausarzt die letzten Laborbefunde geholt. Die Krankenschwester erzählte meinem Hausarzt was ich habe, da er nachgefragt hat. Und eine Woche später rief mein Hausarzt tatsächlich im Krankenhaus an und fragte wie es mir geht. Die Krankenschwester war so erstaunt, dass sie mir davon berichtete. Ja es gibt sie, die Ärzte die studiert haben um Menschen zu helfen. Man muss sie eben nur suchen.

Aber  woran erkennt man einen guten Arzt?

Es gibt Patienten, die mit Ihrem Hausarzt mehr als unzufrieden sind und dennoch bei diesem Arzt bleiben. Man ist ja schließlich seit Jahren bei dem Arzt oder „er kennt mich eben“ höre ich häufig. Manchmal ist es auch Bequemlichkeit, was ich sogar verstehen kann. Ich suche mir auch gerne einen Arzt, der in der Nähe meines Wohnortes oder in der Nähe meiner Firma ist. Aber wenn du nicht gerade auf dem Land wohnst, dann gibt es auch hier Alternativen. Mein Lieblingsgrund ist aber der Satz: „Ärzte sind doch eh alle gleich, da kann ich auch bleiben wo ich bin“. Nein sind sie nicht und deswegen möchte ich dir hier jetzt die 5- Punkte- Checkliste mitgeben, woran du einen guten Arzt erkennst und dich zukünftig gut behandelt fühlst. Denn deine Gesundheit ist das Wichtigste was du hast. Leider weiß man ihren Wert erst dann zu schätzen, wenn sie nicht mehr hat.

Die 5- Punkte- Checkliste an der du einen guten Arzt erkennst

  1. Der Arzt hört dir zu und nimmt sich Zeit
    Ein guter Arzt hört sich an, was sein Patient zu sagen hat. Er lässt dich aussprechen und fällt dir nicht in`s Wort. Er geht auf jeden deiner Punkte ein und lässt auch zu, dass du deine Bedenken zu einer Therapie äußerst. Er erklärt dir, wie du dein Medikament ein zu nehmen hast und wenn du diesen Arzt verlässt, sind alle deine Fragen geklärt und du wirst Google nicht mehr benötigen.
    Man erkennt solche Ärzte auch häufig an den etwas längeren Wartezeiten. Aber ich denke das ist es in jedem Fall Wert.

 

  1. Der Arzt nimmt regelmäßig an Fortbildungen teil
    Gute Ärzte nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil. Denn nichts verändert sich so sehr wie die Medizin. Ständig gibt es neue Therapie, neue Operationsverfahren, neue Arzneimittel. Da sollte es eine Sache der Selbstverständlichkeit sein, dass Ärzte regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen. Ist es nur leider nicht.
    Woher weiß man, dass der Arzt sich fortbildet? Die meisten Praxen haben mehrmals im Jahr wegen „Fortbildungen“ geschlossen. Achte auf entsprechende Hinweise in der Praxis. Meisten gibt es einen Aushang. Wenn auf dem Schild nur steht „Praxis ist von bis geschlossen“ ohne einen Grund an zu geben, dann trau dich ruhig nach zu fragen, ob es sich um Urlaub oder eine Fortbildung handelt. Du wirst aber auch im Gespräch mit deinem Arzt erkennen, ob er auf dem neusten Stand ist oder nicht.

 

  1. Ein guter Arzt hat das Internet nicht zu seinem Feind erklärt
    Ein guter Arzt nutzt das Internet als Informationsquelle und hört dir zu, wenn du erzählst was du im Internet gelesen hast. Denn alle Informationen helfen, um die perfekte Therapie für dich zu finden.Man mag es nicht glauben, aber mein neuer Hausarzt (der alte ist leider in Rente gegangen) hat mir tatsächlich Informationen aus dem Internet ausgedruckt. Und ist dann mit mir die Unterlagen durch gegangen. Und das erstaunlichtste, ich dürfe die Ausdrucke sogar mitnehmen. Der Arzt hat mich wikrklich überrascht. 😀

 

  1. Ein guter Arzt hat auch eine gute Internetbewertung
    Im Internet gibt es mittlerweile zahlreiche Portale, wo Ärzte bewertet werden. Und auch Google bietet ein Bewertungssystem an. Die Bewertungen sind sofort sichtbar, sobald man einen Arzt googelt. Eine erste Übersicht bietet hier das 5- Sterne- System. Generell gebe ich jedoch nicht all zu viel auf die Sterne. Wichtiger sind mir hier die Erfahrungsberichte der Patienten. Denn manche geben einen Stern (also die schlechteste Note, nur weil sie lange warten mussten oder der Stuhl ungemütlich war. Ihr lacht, lest mal die Bewertungen. 😉
    Neben Google könnt ihr zum Beispiel auch jameda.de oder einen der anderen zahlreichen Bewertungsportal nutzen. Das Gute an Jameda ist, dass ihr auch gleich einen Facharzt in der Nähe mit Umkreissuche finden könnt. Was ich wirklich sehr praktisch finde.

 

  1. Ein Guter Arzt ist neuen Therapien gegenüber aufgeschlossen
    Ihr habt im Internet von einer Therapie gelesen, oder ein Freund hat euch von einer neuen Therapiemöglichkeit berichtet und ihr würdet gerne mit eurem Arzt besprechen, ob das auch für euch sinnvoll sein kann..? Ein guter Arzt, wird dir zu hören, sich informieren und Pro und Contra mit dir besprechen. Und wenn der Arzt wirklich gut ist, dann empfiehlt er dir auch noch einen Kollegen oder stellt sogar noch den Kontakt her. Man glaubt es nicht, aber es ist mir wirklich schon passiert. Eine Ärztin griff zum Telefon, und verschaffte mir einen OP- Termin in der nächsten Woche.

Jetzt wisst ihr, woran ihr einen guten Arzt erkennt. Die Recherche lohnt sich und auch ein Wechsel ist immer dann zu empfehlen, wenn ihr euch nicht wohl oder gut behandelt fühlt. Denn man muss nicht bei dem Arzt bleiben, bei dem man schon seit der Kindheit ist. Und der Arzt der Familie, muss auch nicht der beste Arzt für dich sein. Mein Tipp: Mut zum Arztwechsel

 

Wie findet ihr einen guten Arzt?

Auch dafür möchte ich euch ein paar Tipps mit auf den Weg geben, denn auf die einfachsten kommt man manchmal gar nicht:

  • Fragt Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen oder auch Familienangehörigen
  • Fragt eure Krankenkasse:
    Die meisten Krankenkassen haben einen Gesundheitsservice, der euch dabei hilft einen guten Arzt oder DEN Spezialisten für deine Erkrankung zu finden. Frag bei deiner Krankenkasse mal nach einem solchen Service. Die meisten Krankenkassen bieten diesen Service an.
  • Informiert euch bei der Kassenärztlichen Vereinigung:
    Die Kassenärztliche Vereinigung kann euch auch dabei helfen, einen Facharzt zu finden. Im Gegensatz zu der persönlichen Empfehlung liegt der Kassenärztlichen Vereinigung auch genaue Daten vor. Wie viele Patienten hat der Arzt, wie oft behandelt er Krebspatienten, wie oft führt er bestimmte Operationen durch, usw. Die Kassenärztliche Vereinigung hat hierzu eine Hotline. Ich habe sie selber schon genutzt und war von dem Service wirklich begeistert. Ich suchte nämlich einen Arzt für eine Operationsmethode, die nicht so häufig durchgeführt wird. Hier konnte mir der Mitarbeiter genau sagen welcher Arzt hier im Norden diese Operation durchführt. Gleichzeitig konnte er mir auch sagen, dass ich Glück habe wenn ich überhaupt einen Arzt finde, der die OP 12x im Jahr dürchführt. War jetzt nicht so Mut machend, aber immerhin hatte ich mal eine Vergleichszahl. Es gibt für jedes Bundesland und auch für einzelne Städte Kassenärztliche Vereinigungen. Am besten gibt ihr in eure Suchmaschine ein „Kassenärztliche Vereinigung“ und dann die Stadt in der ihr lebt. Für Hamburg findet ihr hier die Nummer der Patientenberatung.
  • Internetrecherchen, wie bereits oben beschrieben durch z.B. Jameda oder Google

Jetzt weißt du wie du einen guten Arzt findest und woran du einen guten Arzt erkennst. Es kann jedoch auch sein, dass der erste Eindruck einer Praxis so schlimm ist, dass du am besten direkt wieder gehen solltest. Daher stellt sich die Frage:

Wann solltest du die Praxis sofort verlassen?

Es gibt nur eine Sache, bei der ich sofort jede Praxis verlassen würde und zwar, wenn die Praxis mehr als unsauber ist. Natürlich sieht man nicht, wie viele Keime irgendwo sind. Aber wenn ihr schon seht, dass hier lange keiner mehr richtig sauber gemacht hat oder das die Toiletten aussehen, wie ein Bahnhofsklo, dann geh direkt wieder. Denn du möchtest nicht, dass so ein Arzt deine offene Wunden behandelt. Und ich würde auch davon ausgehen, dass sich der Arzt den ganzen Tag nicht die Hände desinfiziert und fleißig seine Bazillen von Patient zu Patient trägt. Mein Tipp: Hör auf deinen Bauchgefühl und wen dir irgendwas komisch vor kommt, dann geh woanders hin. Denn es gibt sie, die guten Ärzte, die ihren Job verstehen und denen das Wohl des Patienten an erster Stelle steht. Die Suche lohnt sich!

Welche Erfahrungen hast du mit Ärzten gemacht? Hast du den perfekten Hausarzt schon gefunden? Oder hast du noch weitere Tipps um einen guten Arzt zu finden?

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